Sechs Uhr morgens - wo andere noch nicht mal ein halbes Auge geöffnet haben, sollte man nicht nur dieses, sondern sogar schon mit fertig gepackten "Koffern" am Hbf. Dresden stehen. Die Reise mit dem Bus (von Fehmann-Reisen) führte zunächst nach Lohr am wunderschönen und auch etwas überfüllten Main. Mit unwesentlicher Verspätung - dank weniger ausgeschlafenen Kommilitonen - konnte der etwas ungewöhnliche Semesterstart beginnen.
Für alle, die sich noch nicht so ausgiebig mit dem Programm beschäftigt hatten, gab es dann kurz vor Erreichen der Firma Rexroth Indramat noch eine kurze Einführung über selbige von Prof. Habiger. Da diese kurzen Ausführungen den wissensdurstigen Studenten der AT natürlich längst nicht genug sein konnten, wurde dann von den Mitarbeitern der Firma noch eine etwas ausführlichere Unternehmenspräsentation vorgenommen. Die besonders vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Produkte auch in Druckmaschinen beeindruckten. Das die Firma den potentiellen späteren Nachwuchsingenieuren anschließend ein leckeres Mittagsmahl in der Betriebskantine spendierte, schien selbstverständlich. Bei der anschließenden Besichtigung der Fertigungshallen war auch bei den mitgereisten Professoren das ein oder andere "Ach" und "Aha" zu hören - ein Elektromotor dieser Klasse herzustellen ist nicht so trivial, wie es scheint. Auf dem Versuchsfeld der Firma konnte man dann bestaunen, daß die Objekte tatsächlich am Ende auch das machen, was sie sollen, recht überzeugend. Bei der folgenden "Werbeverkaufsveranstaltung" für Jungingenieure versuchten die Personalchefs auch das Leben in einer Kleinstadt schmackhaft zu machen - endlich fühlten sich alle Besucher wohl - man will uns!
Am Dienstagmorgen war wiederum kein "Langschlafen" angesagt - ein Graus für "Mittagsaufsteh-verwöhnte" Studenten. Man erwachte in einem kuscheligen Jugendherbergsbett in Darmstadt - richtig - dorthin waren wir schon am Vortag gefahren. Kaum das Frühstück ins Innere des Körpers befördert, schon ging die Fahrt los zur Firma Instron Schenck.
Dort war man wohl anfangs etwas verwirrt, dies legte sich aber schnell und eine weitere Präsentation begann. Nicht minder interessant auch die Produkte dieser Firma: Prüfstände vorwiegend für die Fahrzeugindustrie. Was einem armen kleinen Auto alles zugemutet wird, bevor es auf die Straße losgelassen wird, ließ das Herz eines jeden passionierten Autofahrers bluten, aber es ist ja schließlich nur zu dessen besten. Der Besuch des Versuchsfeldes hielt auch einige Überraschungen bereit, insbesondere die, das auch ein Konstrukteur Fehler macht und die auch schnell mal zur Explosion eines unter 260 bar stehenden Hydraulikzylinders führen können. Das es sich dabei aber um eine schändliche Ausnahme handelte, wurde selbst den Zweiflern schnell bewußt. Hier war man natürlich auch so frei, das Interesse an den Studenten der TU Dresden u.a. in Form eines Mittagessens zu wecken. Danach war auch wieder neue Energie vorhanden, um sich einen anderen Unternehmensteil,
die Schenck Pegasus genauer vorstellen zu lassen. Die Zielgruppe des Unternehmens ist ebenfalls die Autoindustrie, hier werden aber mehr die Einzelteile (Motor, Bremsen, ... ) geprüft bzw. Anlagen zu deren Prüfung entwickelt. Die Fertigung war auch hier sehenswert, im Unterschied zur Indramat werden bei Schenck allerdings viele Einzelkomponenten von externen Zulieferern verwenden, wogegen bei erstgenannter Firma fast alles selbst gebaut wird. Auch die anschließenden Vorträge über die erfolgreichen Standardisierungsversuche der Automatisierungskomponenten für die Automobilindustrie und beruflichen Einstieg bei der Schenck Pegasus konnte man sich noch mehr oder minder interessiert anhören, darauffolgend wieder die Fragen von Prof. Habiger, die sich kein Student zu stellen wagte: Die über Einstiegsgehältern und Aufstiegschancen.
Nachdem auch diese alle beantwortet waren und in der Jugendherberge noch eine Abendmahlzeit vorbeiging, stand noch eine "Äppelwoi"-Probe in Frankfurt/Main auf dem Plan, seltsamerweise weigerte sich niemand, mitzukommen. Prof. Janschek spendierte den Wein, Prof. Habiger die Knabbereien, so konnte man sich das gefallen lassen. Unter solchen Umständen versprachen natürlich auch die meisten, nach der Anfrage von Prof. Habiger, die nächsten interessanten VDE-Kolloquien zu besuchen. Am nächsten Morgen fanden sich trotz dem feuchtfröhlichen Vorabend alle Exkursionsteilnehmer pünktlich am Bus ein. Der letzte Tag war für
ESOC (Satelliten - Kontrollzentrum der ESA) reserviert. Die Vorträge über Programme und Struktur der ESA und vor allem über die Satellitenbahnberechnung zeigten die Grenzen der Ingenieurkünste, an dieser Stelle sind dann wohl eher die Mathematiker und Physiker gefragt. Dies bedeutet allerdings nicht, daß die Automatisierungstechniker hier fehl am Platze wären. Nach diesem Erlebnis folgte noch die Besichtigung der Kontrollräume der ESOC (nichtzuvergessen die als Mahnung von der Decke herabhängenden Reste eines Sonnenerkundungssatelliten, welcher beim Fehlstart der Ariane 5 1996 einigen Schaden nahm) und abschließend das Mittagessen.
Die danach folgende Stadtführung durch Darmstadt mit Besichtigung der Mathildenhöhe bildete einen wirklich würdigen Abschluß der Exkursion, ich werde jedenfalls bei der nächsten wieder dabei sein.
Marek Haustein