Nach zweieinhalb Stunden Fahrt hatten wir unser erstes Ziel Alstom - dem französischen Siemens -erreicht. Mit seinen fast 100.000 Angestellten deckt der Konzern vor allem die Sparten Herstellung, Umwandlung und Übertragung von Energie, sowie den Personentransport ab. Das Berliner Werk (Power Conversion GmbH Berlin), welches seinen dritten Besitzer innerhalb von zehn Jahren in Alstom gefunden hatte, ist spezialisiert auf Frequenzumrichter. Anwendungsgebiete dieser Frequenzumrichter sind Windanlagen und Speziallösungen für beispielsweise Papierfabriken, das Bahnnetz, Schmelzöfen sowie elektrische Schiffsantriebe. Diese Schiffsantriebe leiteten auch die Materie Schiffe ein, welches während unserer Exkursion das Hauptthema war. Ihr Vorteil besteht nicht nur in der Unabhängigkeit von der Welle des Dieselmotors, sondern auch in der Effizienz des Diesels sowie des Antriebes (z.B. 360° drehbar).
Am Morgen besuchten wir das Simulationszentrum Warnemünde, an dem zukünftige Schiffskapitäne, -lotsen und -maschinisten ausgebildet werden. Der Fahrsimulator wirkt so echt, dass es einem mulmig werden kann. Aber auch die anderen Simulatoren wie der Maschinenraum sind so real gestaltet, dass man allein an den Geräuschen erkennen kann, dass etwas bei der Maschine nicht funktioniert. Somit hat man ein komplettes Schiff an Land, an dem man aus- und weiterbilden kann.
Nach Besichtigung des Werkes fuhren wir in Richtung Ostsee, nach Stralsund. In dieser Stadt befand sich auch unsere Jugendherberge, welche wir für die Zeit der Exkursion nutzten. Am nächsten Tag stand zuerst die Volkswerft Stralsund auf dem Programm. Diese Werft beeindruckte uns vor allem durch ihre ungeheuerliche Größe. An diesem Ort "schrumpft" man virtuell unter riesigen Kränen (max. Krankapazität 800 t), in großen Hallen (die größte 300x108x74 m) und vor dem stärksten Schiffslift seiner Art (21.735 t hub). Besonders interessant für uns Automatisierer waren die Fertigungslinien (Zuschnitt, Profilbearbeitung, Paneelfertigung) mit ihren Hochlagern und Auftragsplanungen. Durch die Vernetzung des gesamten Werkes können die einzelnen Schiffssektionen so zeitnah gefertigt werden, dass der Zusammenbau stets ausgelastet ist. Das Bild vom Werftarbeiter, der mit dem Brenner noch selber die Bleche zuschneidet, ist größtenteils von Maschinen übernommen. Auch der Transport erfolgt mit Halbautomatikkränen und funkferngesteuerten Schwertransportfahrzeugen. Die Werft stellt vorwiegend Containerschiffe und Spezialschiffe wie Kabelleger oder Ankerziehversorger her. Sie gehört seit dem Absturz der Vulkanwerft in Bremen im Jahre 1998, zur dänischen A.P. Moller Group und blickt auf eine Tradition bis 1948 zurück, in der bis heute 1.500 Fischereischiffe mit der größten weltweiten Serie eines Schiffes gefertigt wurden.