TUD

Institut für Automatisierungstechnik

2003

Sponsoring:

VDE-Bezirksverein Dresden Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Dresden

2003 - Studentenexkursion des Instituts für Automatisierungstechnik nach Berlin - Stralsund - Peenemünde - Warnemünde -Magdeburg

Reisebericht von Holger Köppe (AT99):

An einem Dienstagmorgen in aller Frühe brachen 18 Studenten unter Führung von Herrn Prof. Habiger zu einer Exkursion nach Berlin - Stralsund - Peenemünde - Warnemünde -Magdeburg auf.

Nach zweieinhalb Stunden Fahrt hatten wir unser erstes Ziel Alstom - dem französischen Siemens -erreicht. Mit seinen fast 100.000 Angestellten deckt der Konzern vor allem die Sparten Herstellung, Umwandlung und Übertragung von Energie, sowie den Personentransport ab. Das Berliner Werk (Power Conversion GmbH Berlin), welches seinen dritten Besitzer innerhalb von zehn Jahren in Alstom gefunden hatte, ist spezialisiert auf Frequenzumrichter. Anwendungsgebiete dieser Frequenzumrichter sind Windanlagen und Speziallösungen für beispielsweise Papierfabriken, das Bahnnetz, Schmelzöfen sowie elektrische Schiffsantriebe. Diese Schiffsantriebe leiteten auch die Materie Schiffe ein, welches während unserer Exkursion das Hauptthema war. Ihr Vorteil besteht nicht nur in der Unabhängigkeit von der Welle des Dieselmotors, sondern auch in der Effizienz des Diesels sowie des Antriebes (z.B. 360° drehbar).

Am Morgen besuchten wir das Simulationszentrum Warnemünde, an dem zukünftige Schiffskapitäne, -lotsen und -maschinisten ausgebildet werden. Der Fahrsimulator wirkt so echt, dass es einem mulmig werden kann. Aber auch die anderen Simulatoren wie der Maschinenraum sind so real gestaltet, dass man allein an den Geräuschen erkennen kann, dass etwas bei der Maschine nicht funktioniert. Somit hat man ein komplettes Schiff an Land, an dem man aus- und weiterbilden kann.

Nach Besichtigung des Werkes fuhren wir in Richtung Ostsee, nach Stralsund. In dieser Stadt befand sich auch unsere Jugendherberge, welche wir für die Zeit der Exkursion nutzten. Am nächsten Tag stand zuerst die Volkswerft Stralsund auf dem Programm. Diese Werft beeindruckte uns vor allem durch ihre ungeheuerliche Größe. An diesem Ort "schrumpft" man virtuell unter riesigen Kränen (max. Krankapazität 800 t), in großen Hallen (die größte 300x108x74 m) und vor dem stärksten Schiffslift seiner Art (21.735 t hub). Besonders interessant für uns Automatisierer waren die Fertigungslinien (Zuschnitt, Profilbearbeitung, Paneelfertigung) mit ihren Hochlagern und Auftragsplanungen. Durch die Vernetzung des gesamten Werkes können die einzelnen Schiffssektionen so zeitnah gefertigt werden, dass der Zusammenbau stets ausgelastet ist. Das Bild vom Werftarbeiter, der mit dem Brenner noch selber die Bleche zuschneidet, ist größtenteils von Maschinen übernommen. Auch der Transport erfolgt mit Halbautomatikkränen und funkferngesteuerten Schwertransportfahrzeugen. Die Werft stellt vorwiegend Containerschiffe und Spezialschiffe wie Kabelleger oder Ankerziehversorger her. Sie gehört seit dem Absturz der Vulkanwerft in Bremen im Jahre 1998, zur dänischen A.P. Moller Group und blickt auf eine Tradition bis 1948 zurück, in der bis heute 1.500 Fischereischiffe mit der größten weltweiten Serie eines Schiffes gefertigt wurden.

Am Nachmittag besuchten wir das Historisch-Technische Informationszentrum Peenemünde, in dem die sog. Vergeltungswaffen (V 1/2) der Nazis entwickelt und teilweise gebaut wurden. Tausenden von Menschen brachten diese Waffen den Tod, nicht nur durch ihre Zerstörungskraft sondern viel mehr durch ihre Herstellung mit 20.000 Zwangsarbeitern. Auch im Hinblick auf das investierte Material war diese Waffe wahnsinnig, da sie 30% der deutschen Kartoffelernte für den Antrieb verbrauchte. Dennoch war mit der V2 der Grundstein für den Wettlauf ins All gelegt, ohne den wir heute auf Dinge wie GPS, bessere Wettervorhersage und vieles mehr verzichten müssten. Weitere sehenswerte Objekte in Peenemünde sind das Museumsschiff, das historische Kraftwerk und ein riesiges russisches Diesel-U-Boot. Der Donnerstag war wie die anderen Tage sehr gut organisiert (Lob an das Organisationsteam).

Der letzte Teil unserer Exkursion beinhaltete das Wasserstraßenkreuz Magdeburg mit dem Schiffshebewerk, der Sparschleuse Rothensee sowie der längsten Kanalbrücke Europas. Die beiden letzten Objekte gehören zum Verkehrsprojekt Deutsche Einheit und wurden folglich in den letzten zehn Jahren errichtet. Das Schiffshebewerk stammt aus den 30iger Jahren und ist trotz des Alters sehr gut erhalten und gepflegt. Alle drei Dinge haben eines wunderschön verdeutlicht, dass bei Bauwerken dieser Größenordnung, die Ingenieure sich mit Problemen auseinandersetzen müssen die an ihr Limit gehen. Einige davon sind Erdbeben (letztes im 16. Jahrhundert in dieser Gegend), Längenausdehnungen im Meterbereich bei Temperaturschwankungen, Fehler von Schiffsbenutzern oder unterschiedliche Lastfälle. Das Ergebnis sind tausende von A4 Seiten, die allein die Statik der Brücke für die Planung verschlingt. Im Bau setzt sich dies natürlich fort, mit Standardlösungen kommt man hier nicht weiter, meist werden individuelle Lösungen benötigt (eigens gebaute Kräne, Pressen). Auch an das Design und die Umwelt, in Form von Ausgleichsflächen, muss gedacht werden. Wer dieses beeindruckende Bauwerk einmal sehen möchte, könnte dies mit einem Urlaub auf dem Boot kombinieren und selber einmal übersetzen. Die Brücke wird dieses Jahr noch offiziell eröffnet, aber alles ist schon jetzt befahrbar.

Danksagung

Ich möchte mich noch einmal im Namen aller Studenten, die dieses Jahr bei der Exkursion teilgenommen haben, bei dem VDE Bezirksverein und Herrn Prof. Habiger bedanken - ohne sie hätte die Reise nicht stattgefunden.

Mit freundlichen Grüßen
Holger Köppe (AT99)
Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Dresden
Institut für Automatisierungstechnik

Stand: 15.01.2010 13:47
Autor: Webmaster IFA