TUD

Institut für Automatisierungstechnik

2005

Sponsoring:

VDE-Bezirksverein Dresden Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Dresden

2005 - Studentenexkursion des Institutes für Automatisierungstechnik nach Amberg - Linz (A) - STEYR (A) - Eggelsberg (A) - Windischeschenbach

18. bis 20. Mai 2005

Am Mittwochmorgen, 6 Uhr, war es soweit: noch bevor alle Exkursionsteilnehmer am Hauptbahnhof eingetroffen waren, wartete in der Bayerischen Straße ein schöner, neuer, großer Reisebus auf uns.

Nachdem unser freundlicher Busfahrer Andreas das Gepäck verstaut hatte, überprüfte unser "Ersatzreiseleiter" Martin Beck (Prof. Habiger war leider kurzfristig erkrankt) die Anwesenheit aller Studenten. Erstaunlicherweise und total Studenten-untypisch war keiner zu spät und wir konnten uns pünktlich auf den Weg machen - eine Exkursion zu den Fertigungsgeländen der bedeutendsten Vertreter von High-Tech-Produkten der Automatisierungstechnik in Deutschland und Österreich lag vor uns.

Die gemütliche und heitere Atmosphäre im Bus wurde nicht einmal vom trüben Wetter draußen beeinflusst - die Stimmung der 24 Automatisierungstechniker und Mechatroniker im 40-Personen-Bus war grandios.

Die Zeit bis zu unserem ersten Ziel, Amberg in Franken, verging sehr schnell. Dort war der Besuch eines Siemens-Werkes geplant, das sich auf Niederspannungs-Schalttechnik spezialisiert hat. Nachdem wir am Eingang unsere temporären Passierscheine erhalten hatten, wurden wir von Mitarbeitern der Personalabteilung empfangen, die uns über die Unternehmensphilosophie der Firma Siemens aufklärten. Im Anschluss wurde unsere Aufmerksamkeit auf einige Produkte des Unternehmens, vor allem Niederspannungsschaltgeräte der neuesten Generation (SIRIUS 3R und SIRIUS SC), gelenkt. Diese ermöglichen einen modularen Aufbau von kompletten Verbraucherabzweigungen bis 250 kW. Weiterhin wurde der Ultraschall-Näherungsschalter SONAR-BERO vorgestellt, der z.B. Füllstände, Entfernungen sowie unterschiedliche Objekte kontaktfrei erfasst.

Nach der umfangreichen theoretischen Einführung in die Siemens-Produktwelt wurden wir zu einem leckeren Mittagessen in die Werkskantine eingeladen. Gestärkt konnte nun die Besichtigung der Produktion in den Werkshallen beginnen. Dank Funkkopfhörern konnten wir unseren Führer trotz Zerspanungs-, Dreh-, und Schleifanlagen gut verstehen. Erstaunlich war, dass viel mehr Frauen als Männer hier arbeiteten, vor allem in der Endmontage der Produkte. Weiterhin überraschte, dass Siemens weitgehend auf Zukaufteile verzichtet und fast alles selbst fertigt.

Nach drei Stunden Aufenthalt in Amberg ging es weiter Richtung Südosten. Österreich begrüßte uns mit regnerischem Wetter. Das Jugendgästehaus in Linz an der Donau erreichten wir planmäßig und wurden mit zünftiger österreichischer Küche bewirtet. Nachdem die Zimmer bezogen waren, machten sich die meisten noch auf den Weg Richtung Altstadt, um diese, und nicht zuletzt deren gemütliche Kneipen, kennenzulernen.

Nach einer viel zu kurzen Nacht fuhren wir am Donnerstagmorgen bei Sonnenaufgang zur VOEST ALPINE - dem größten Unternehmen und Arbeitgeber in der Region Linz. Dieses riesige Stahlwerk mit eigenem Kraftwerk hat sich auf die Produktion von hochqualitativem Stahl und Blechen spezialisiert.
Vor Besichtigungsbeginn wurde uns eine kurze, aber interessante Einführung in den Unternehmensaufbau präsentiert. Nach dem Ausfassen von Schutzhelm und Kopfhörer fuhren wir mit unserem Bus zu ausgewählten Produktionsstätten - zu Fuß hätten wir wohl den ganzen Tag dafür benötigt. So sahen wir z.B. die Kokserzeugung, das Gießen und Blechziehen, sowie die Beschichtungs- und Verzinkungsanlagen der Blechbänder. Die Größe der technischen Anlagen und die oft Atem-raubende Hitze in den Werkshallen war einfach überwältigend.

Das Unternehmen hat sich durch jahrelang stabile und zuverlässige Arbeit weltweit einen guten Ruf erarbeitet und somit viele Partner gewonnen. Fast alle Automobilzulieferer und Haushaltgerätehersteller Europas sind seit Jahren von der VOEST ALPINE abhängig.

Unsere Besichtigung beendeten wir mit einem großen Wiener Schnitzel in der Kantine. Nach Abgabe der Helme und der Überreichung eines VDE-Bildbandes durch Martin Beck an unseren Werksführer fuhren wir zum nächsten Besichtigungsobjekt - BMW in Steyr.

Das Werk ist auf  die Montage und Fertigung von Dieselmotoren mit 2.0 l, 3.0 l als auch von Sechszylinder-Benzinmotoren mit 3.0 l Hubraum spezialisiert. Nach einer kurzen Videopräsentation über die wirtschaftliche Struktur des Unternehmens wurden uns zwei Motorenstände mit einem 1979 und einem 2004 gebauten Dieselmotor demonstriert. Der neue Motor beeindruckte vor allem durch seine Laufruhe und-stabilität.

Nun ging es auf direktem Weg zur Montagehalle, wo wir viel Automatisierungstechnik zu Gesicht bekamen - dafür um so weniger menschliche Arbeitskräfte. Um höchsten Qualitätsanforderungen genügen zu können, müssen Roboter die äußerst präzisen Fertigungsaufgaben, wie z.B. das Drehen der Kurbelwellen oder Zylinderköpfe übernehmen.

Nach einem mit Visionen gespickten Abschlussfilm, fuhren wir zu unserer Unterkunft zurück.

Nach dem Abendessen in der Jugendherberge hatten wir den Rest des Tages noch zur freien Verfügung. Unsere Gruppe entschied sich die Zeit zusammen in eine Karaoke-Kneipe zu verbringen. Obwohl die Karaokemaschine defekt war, hatten wir einen echt tollen Abend und lernten die einzelnen Kommilitonen bei Bier & Wein noch besser kennen.

Am Freitagmorgen war der nächste Punkt in unserem Programm die Besichtigung des von Erwin Bernecker und Joseph Reiner im Jahre 1979 gegründeten, weltweit tätigen Konzerns B&R Industrie-Elektronik in Eggelsberg.

Auf allen Kontinenten bietet das Unternehmen Unterstützung bei Projektkonzeption, Applikationserstellung bis hin zur didaktisch fundamentierten Anwender-Schulungssoftware für AT-Systeme an. Da das Unternehmens keine AG ist, liegen Entscheidungen über Produktpalette oder Investitionen alleinig in der Führungsetage von B&R, wodurch schnelles Reagieren auf Marktanforderungen und Kundenwünsche unkompliziert möglich. In einer kleinen Konferenz bekamen wir eine kurze Einführung  in das Softwarewerkzeug "AutomationStudio", ein virtuelles Applikationsprogramm mit intuitiver Windowsoberfläche, das für alle Automatisierungsaufgaben geeignet ist (d.h. Projektieren, Parametrieren, Programmieren, Dokumentieren und Diagnostizieren in einer durchgängigen Umgebung). Basierend auf einem Echtzeitkern laufen SPS-Programme und Visualisierung parallel unter Aufteilung der Systemressourcen. Über ETHERNET Powerlink, welches die Firma grundlegend mit entwickelt hat, werden Signale synchron eingelesen, verarbeitet und ausgegeben. Dieser Thematik widmete sich ein großer Teil des äußerst informativen Vortrages.

Bei Fertigung der antriebstechnischen Anlagen sind für das Unternehmen Geschwindigkeit und Präzision die Hauptkriterien. Entscheidend ist  dabei die Geschwindigkeit des Servoverstärkers ACOPOS, den wir auch mal in den Händen halten konnten.

Weiterhin erhielten wir ausführliche Information über PowerPanels, die zur Visualisierung von Prozessen dienen, Industrie PCs der Baureihe PROVIT, die rund um die Uhr Betrieb für den rauen Industrieeinsatz genutzt werden kann.

Mit dem Entwicklungsleiter Franz Eder begann, nach einem typisch österreichischen Mittagessen bei Topfenstrudel & Vanillesoße und einer fünfminütigen Zwangspause im steckengebliebenen Aufzug, eine Besichtigung der Fertigungshallen. Erstes Betrachtungsobjekt war  ein Leiterplattenbestückungsautomat. Alle waren vom extrem hohem Automatisierungsgrad, der Schnelligkeit und Präzision der Anlage erstaunt. Aufeinanderfolgende Fertigungsphasen wurden ohne menschliches Einwirken durchgeführt, nur zur visuellen Kontrolle oder Bauelement-Trägerrollen-Wechsel wurden noch Arbeitskräfte benötigt. Zum Abschied mussten wir natürlich noch ein gemeinsames Foto zum Andenken machen.

Windischeschenbach - die kontinentale Tiefenbohrung, die auch EXPO-2000 Projekt war, stand nun noch als letzter Punkt unserer Reise auf dem Plan.
Nach Besichtigung des Informationszentrums mit Geschichte, Hintergründen und Ausstellungsstücken (Bohrer, Bohrkerne,...) zum Projekt inkl. Film bekamen wir Schutzhelme und gingen mit dem Museumsleiter auf den 83m hohen Bohrturm. Dort genossen wir die sehr schöne Aussicht auf die Umgebung und erhielten noch weitere Informationen zum Forschungsprojekt. Zum Beispiel wurde von September 1987 bis April 1989  eine Vorbohrung (4000,1 m) durchgeführt, die eine enorme Abweichung von der Normalrichtung hatte und deswegen neu angefangen werden musste. Damit der Bohrstrang nun nicht mehr vom Sollkurs abwich, wurde eine Sensorenregelung eingesetzt. So gelang es am Ende die unglaubliche Tiefe von 9100m zu erreichen.

Leider war mit dieser Station auch schon unsere Reise zu Ende. Der Bus nahm endgültig wieder den Kurs nach Dresden, wo wir gegen 21 Uhr eintrafen.

Danksagung

Die Exkursion war für alle Beteiligten ein Erlebnis mit vielen Informationen, aber vor allem auch Spaß!

Sehr geehrter Prof. Habiger, Prof. Pundt und Herr Beck,

wir möchten uns im Namen aller Teilnehmer noch einmal bei Ihnen für die super Organisation, Durchführung und Sponsoring dieser Exkursion bedanken, die wohl bei uns allen in schöner Erinnerung bleiben wird!

Andrej Teuss (MT04), Patrick Merla (MT02), Vitaliy Vdovychenko (MT02)

Stand: 15.01.2010 13:45
Autor: Webmaster IFA