TUD

Institut für Automatisierungstechnik

2010

Sponsoring:

VDE-Bezirksverein Dresden & Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Dresden

2010 - Studenten-Fachexkursion des Instituts für Automatisierungstechnik nach Magdeburg, Wolfsburg und Pad Pyrmont

Termin 
26. - 28. Mai 2010 

Die Exkursion hatte als Schwerpunkt die virtuelle Darstellung der Realität und die Interaktion zwischen Mensch und Maschine. In diesem Bereich wurden aktuelle Forschungsaufgaben und Ergebnisse vorgestellt. Der Besuch der verschiedenen Unternehmen gab aber auch Einblicke in moderne Fertigungsprozesse, welche zu verschiedenen Graden automatisiert waren.

1. Tag: Fraunhofer Institut, Enercon

Unsere Reise begann zeitig am Mittwoch, dem 26.5. in Dresden und führte uns als erstes nach Magdeburg, zum Frauenhofer Institut für Virtuelle Realität (IFF / VDTC). Wir wurden von Herrn Dr. Blümel freundlich empfangen und er stellte uns die Struktur des Institutes vor. Seine umfassenden Ausführungen begannen bei der Gründung Anfang der 90er und führten bis zu den aktuellen Forschungsprojekten. Dem ein oder anderen war der sehr frühe Start in den Tag noch anzusehen, aber die Müdigkeit verschwand mit dem Beginn der Führung durch das Gebäude.

Wir bestaunten als erstes den Elbetower. Dieser 7m hohe Zylinder mit einem Durchmesser von 16m bildet im Inneren eine riesige Projektionsfläche. Auf diese wurde ein Umspannwerk projiziert und wir fühlten uns mitten drin. Der Operator ging dann mit uns zu einem Trafo und zeigte, wie und mit welchem Werkzeug, eine Hochspannungsdurchführung gewechselt werden kann. Aber auch komplette Anlagen der Chemieindustrie können dargestellt werden, um vor Baubeginn Schwierigkeiten erkennen zu können.

Weiter auf unserem Rundgang, wurde uns ein aktuelles Projekt zur Einbindung von virtuellen Objekten in die Realität vorgestellt. Ein Trackingsystem erkennt den Blickbereich des Betrachters und kann ein Objekt über ein Display vor seinem Auge darstellen. In der Realität gibt es an der Stelle des virtuellen Objektes nur eine Markierung, wie zB. einen Strichcode. Anwendungsgebiet ist zum Beispiel die Hilfe bei der Kommissionierung.

Weiter sehr beeindruckend war die 3D-Cave. In dieser fühlten wir uns mit Hilfe von 3D Brillen als Lokführer der Harzquerbahn. Mit Hilfe eines Trackingsystems und einem Controller konnten wir in dem virtuellen Modell der Lok so lang Ventile öffnen, bis sie sich in Bewegung setzte. Leider reichte die Zeit nicht für einen virtuellen Dampflokführerschein.

Die Mitarbeiter des Frauenhoferinstituts hätten uns sicher noch den ganzen Tag neue faszinierende Entwicklungen vorstellen können, aber der nächste Programmpunkt wartete schon.

Daher fuhr uns der Busfahrer geradlinig zur Enercon, wo uns Herr Pogodzinski begrüßte. Obwohl es die Kantine nicht vermuten lässt, ist dies der Marktführer für Windkraftanlagen in Deutschland und hat zur Zeit die weltweit größte Turbine im Portfolio. Wir wurden durch die Produktionshallen geführt, in denen z.B. die 40m langen Rotorblätter aus Glasfasermatten gefertigt werden oder auch die Generatoren mit einem Durchmesser von ca.3m gewickelt werden. Es war sehr interessant, die Entstehung einer Windkraftanlage Schritt für Schritt zu sehen und die schiere Größe der Einzelteile für den Typ E-126 beeindruckte. Diese Anlage liefert bis zu 7,6 MW und hat ein Gewicht von über 350t bei 126m Spannweite.

Bis in die Jugendherberge nach Wolfsburg war es nun auch nicht mehr weit, in der wir gegen halb fünf ankamen und unser Quartier bezogen. Nach dem Abendbrot gab es noch genügend Zeit, um das Kino zu besuchen oder sich Wolfsburg ein wenig anzuschauen

2. Tag: VW

Nach einem kräftigen Frühstück, begann unser Volkswagen Tag mit einer Führung durch die Autostadt. Die 2 Stunden wurden mit tollen Autos, wie einem 1930er Phaeton Sedan oder dem aktuellen Bugatti kurzweilig. Dazu gab es noch Ausblicke in die Zukunft des Automobils und zu alternativen Antrieben, was die Verantwortung für unsere Umwelt mit ansprach. Leider war die Zeit für die vielen Ausstellungen knapp.

Unsere nächste Station war das phæno, ein Museum, das auf einfache Weise Kindern physikalische Effekte näher bringen soll und auch für uns einige interessante Experimente zu bieten hatte. Wie z.B. ein Spiel, bei dem die Gehirnströme gemessen wurden und derjenige gewann, der sich besser entspannen konnte. Viele Versuche wurden aber von Herrn Mahler in den Physikvorlesungen schon anspruchsvoller vorgeführt.

Treffpunkt Werktor 17: Jetzt lag die Automatisierungstechnik wieder im Fokus. Wir wurden durch die Produktionshallen der Volkswagen AG geführt, oder besser gesagt gefahren, was bei der 8km langen Tour sehr angenehm war. In ca. einer Stunde bestaunten wir den kompletten Fertigungsprozess eines Golfs. Der erste Schritt ist die Herstellung der Karosseriebleche mit riesigen Pressen, was zu 98% automatisiert abläuft. Es gab in jeder Ecke Automatisierungstechnik zu sehen, aber mit unserem 320PS Golf, mit seinen 2 Anhängern, ging es schnell zum nächsten Produktionsschritt, dem Schweißen. 1600 Roboter fügen hier die Bleche zu einem Auto zusammen und man kann schon das Modell erkennen. Diesem Arbeitsschritt folgt die Lackierung. In die verschlossenen Kabinen kann man während des Lackierens natürlich nicht hinein schauen und daher ging es in der 1,3km langen Werkhalle weiter zu den Taktstraßen, in denen tausende Arbeiter die Karosse mit allerlei Teilen bestücken, bis das Auto alles beinhaltet, was der Kunde bestellt hat. Jede Minute läuft ein Fahrzeug vom Band, erklärte uns unser Werksführer. Er hätte sicher noch lang über den Produktionsprozess reden können, aber wir hatten schon den nächsten Termin im Bereich ?FE?. ?Freizeit und Erholung?, wie er scherzhaft meinte.

In der Forschungs- und Entwicklungsabteilung besuchten wir das HMI Labor, was wohl für die meisten, den spannendsten Teil des Tages aus machte. In einer Präsentation wurden kurz aktuelle Forschungsgebiete mit ihren Problemstellungen vorgestellt und es gab dabei auch einige Parallelen zu unseren Vorlesungen. Schwerpunkte sind, dem Fahrer des Autos die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt zu übermitteln. Dabei darf er aber von seiner Hauptaufgabe, dem Fahren, nur unwesentlich abgelenkt werden. Die Bedienung muss dabei einfach und intuitiv erfolgen. In verschiedenen Experimenten, wie Fahrsimulatoren oder Sitzboxen wird dafür versucht herauszufinden, wie viel Aufmerksamkeit die Bedienung der Geräte dem Fahrer entzieht und ob Bedienelemente ergonomisch angeordnet sind.

Ein Ansatzpunkt für die einfache Bedienung stellen dabei Touchscreens und Spracheingabe dar, was wir auch selbst ausprobieren durften. Der Testaufbau kam auch mühelos mit dem sächsischen Dialekt zurecht. So begeistert hätten wir beinahe das Abendbrot in der Jugendherberge aus den Augen verloren.

Danke dem VDE Dresden, dass wir den Tag gemütlich mit einem Bier in der Innenstadt von Wolfsburg ausklingen lassen konnten.

3. Tag: Phoenix Contakt

Am Freitag früh besuchten wir den Produktionsstandort von Phoenix Contact in Bad Pyrmont. Nach der Begrüßung stellten Frau Dirk und Herr Wedekind das Unternehmen mit seiner Produktpalette vor. Der Focus lag dabei auf intelligenter I/O, Interfaces und Steuerungen. Das Klima in der Firma ist herzlich, fair und Berufseinsteiger werden sehr gefördert. Herr Wedekind, der selbst als Werkstudent und Diplomand angefangen hat, konnte dies sehr gut vermitteln.

Nach dieser Einführung wurden wir zum Mittagessen eingeladen, wo wir uns für die anschließende Betriebsführung stärkten. Der erste Gebäudekomplex beherbergt die Produktion von verschiedenen Automatisierungskomponenten, welche uns Schritt für Schritt gezeigt wurde. Vom Spritzen der Gehäuse über die Bestückung der SMD-Platinen bis zum Zusammenbau der Komponenten. Am interessantesten war dabei sicherlich die zum Teil hoch automatisierte Endmontage. Gerade für Bauteile mit hohen Stückzahlen gab es komplette automatisierte Fertigungslinien. Diese hatten natürlich nur einen Bruchteil der Größe der Maschinen im VW-Werk. Aber alles lief mit einer ungeheuren Präzision ab, was die Ausschussrate auf 0,3% senkte. In dem anderen Gebäudekomplex werden die Komponenten im Bereich Interface produziert, wobei sich die Produktionsabläufe sehr ähneln.

Alles in allem präsentierte sich Phoenix Contacts als ein toller Arbeitgeber, innovativ und mit spannenden Aufgabenfeldern, das bestätigt auch die Auszeichnung "Top Arbeitgeber für Ingenieure 2010" bestätigt.

Die Exkursion konnte uns in den drei Tagen einen sehr guten Einblick in verschiedene Bereiche der Industrie und Forschung geben. Bei allen Stationen wurde klar, dass der Studiengang Automatisierungstechnik weite Anwendungsfelder und Entwicklungspotential besitzt. Weiter zeigten sich klar die Unterschiede für einen Berufseinstieg und die Arbeitsgebiete bei einem Forschungsinstitut, einem mittelständischen Unternehmen und einer AG.

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   3.2 M
Stand: 12.09.2011 09:53
Autor: Webmaster IFA