TUD

Institut für Automatisierungstechnik

2008

Sponsoring:

VDE-Bezirksverein Dresden Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Dresden

2008 - Studentenexkursion des Instituts für Automatisierungstechnik nach Dortmund, Leverkusen und Lüdenscheid

Besuchsobjekte

Vom 14. Mai 2008 bis 16. Mai 2008 fand wieder einmal die alljährliche Exkursion der Automatisierungstechnik statt. Mittwoch Morgen, 6 Uhr an der Bushaltestelle Bayerische Straße, trafen sich die Teilnehmer der Exkursion, um im wenige Monate alten Reisebus der Firma Fehmann - vom Chef höchstpersönlich gefahren - nach Dortmund zu starten.

Dank der finanziellen Unterstützung des VDE Bezirksvereins Dresden und einer sehr guten Organisation der gesamten Veranstaltung durch den VDE bzw. Prof. Habiger  wurde es den insgesamt 18 Teilnehmern ermöglicht, kostengünstig einen Einblick in verschiedene Unternehmen zu bekommen. Neben den 18 Studenten der Fakultät Elektrotechnik begleiteten die Exkursion der zuständige Hochschullehrer Prof. Leon Urbas der Professur für Prozessleittechnik und der bereits erwähnte Prof. Ernst Habiger, dem wir hiermit auch noch einmal unseren Dank für den reibungslosen Ablauf aussprechen möchten.

Die diesmal besuchten Unternehmen waren EMC Test / TU Dortmund, Bayer in Leverkusen und Kostal in Lüdenscheid. Bei allen Firmen gab es einen interessanten Einblick in die Arbeitsfelder sowie Tätigkeiten und auch für Fragen oder angeregte Unterhaltungen standen bei allen Unternehmen die zuständigen Leute Rede und Antwort. Somit dürfte den Teilnehmern ein sehr guter Überblick verschafft worden sein, und auch für die Unternehmen war dies eine Möglichkeit, Praktika, Studienarbeiten, Diplomarbeiten, Werksstudentenstellen oder sogar mögliche zukünftige Mitarbeiter kennenzulernen.

1. Tag: EMC Dortmund / Technische Universität Dortmund

Nach der langen Busfahrt erreichten wir, dem Verkehrsaufkommen geschuldet, etwas verspätet die Firma EMC Dortmund. Nach der kurzen Unternehmenspräsentation durch den Geschäftsführer Herrn Pohlmann mit interessanter Diskussion und einem kleinen Verpflegungssnack ging es auch gleich in die Labore der Firma, direkt angrenzend an das Verwaltungsgebäude.

Auf einer Fläche von ca. 2000qm sind im Gebäude, welches sich ebenfalls auf dem Gelände des Technologieparks befindet, verschiedene Räume zur EMV Untersuchung untergebracht. Dazu zählen ein großer Absorberraum (siehe Bild links) mit geerdetem Stahlboden und Rollenprüfstand sowie ein kleiner Absorberraum mit Drehteller, in welchem sogar der Fußboden durch Absorber unter einem Holzfußboden abgeschirmt wird. In diesen Räumen wurde zum Ersten mal in den neunziger Jahren die neue Form der Absorberkegel verwendet, welche aus einem PE Tragmaterial, einer metallbedampften Folie und einer schützenden Glasfaseraußenhülle bestehen. Neben den beiden Absorberräumen gibt es noch mehrere kleine abgetrennte Labor- und Arbeitsräume, die aber nur durch Metallbauweise geschirmt sind.

Getestet wird das Verhalten von Bauteilen bis zu Fahrzeugen von der Größe eines Mähdreschers, und wie sie sich auf externe elektromagnetische Strahlung verhalten, bzw. welche elektromagnetische Strahlung diese selbst aussenden. Dort werden unterschiedliche Tests durchgeführt, um Aussagen zur internen und externen EMV treffen zu können und gegebenenfalls vorgeschriebene Emissionswerte zu zertifizieren. Zur externen EMV Bestrahlung dienen Leistungsverstärker mit einer Leistung von 75 KVA, wobei jedoch nur 10 KW genutzt werden können. Um größere Feldstärken zu erzeugen greift man auf andere Laboraufbauten zurück (siehe folgenden Abschnitt à TU Dortmund)

Vom Technologiepark aus waren es nur wenige hundert Meter zu Fuß, um zur Elektrotechnischen Fakultät der Technischen Universität Dortmund zu gelangen. Prof. Peier vom Lehrstuhl für Hochspannungstechnik und EMV der TU Dortmund führte uns dann durch die Labore für EMV des neuen Fakultätsgebäudes. Die Versuchsfelder, entsprechend dem jeweiligen Bedarf ausgelegt, reichten von feiner Maschendrahtschirmung, über geschirmte Absorberkammern (siehe links) bis zu einer nach neuesten Kenntnissen ausgestatteten Modenverwirbelungskammer. (im Gegensatz zur Absorptionskammer wurden keine Absorberkegel verwendet, sondern eine aus glatten Metallwänden bestehende Box mit zusätzlichem rotierenden Reflektoren zur Modenverwirbelung à siehe unten) Durch diesen Aufbau ist es möglich, relativ energiesparend große Feldstärken aufzubauen. Außerdem ist es möglich Objekte schneller als bisher zu untersuchen, die sich im betriebsmäßigen Einsatz bewegen. Denn durch die Modenverwirbelung können Feldstärken mit stochastischem Richtungsvektor erzeugt werden, wodurch das zu untersuchende Objekt statisch positioniert werden kann. (z.B. Modell eines Industrieroboters)

Durch die Nähe zwischen Universität und Technologiepark besteht eine sehr ausgeprägte Zusammenarbeit. Vor allem können bei der Bearbeitung entsprechender Themen zur EMV die verschiedenen Labore gemeinsam zu Tests herangezogen werden. Nach Abschluss des Rundgangs und der Diskussionen verabschiedeten wir uns, und fuhren zur Jugendherberge. Nach dem Abendessen stand der Rest des ersten Tages den Teilnehmern zur freien Verfügung, um z.B. die Dortmunder Innenstadt zu erkunden.

2. Tag: Bayer in Leverkusen

Am zweiten Tag der Exkursion starteten wir direkt nach dem Frühstück gegen 7 Uhr in Richtung Leverkusen. Dort angekommen führten wir zunächst eine geführte Werksbesichtigung per Bus durch das ehemalige Gelände der Bayer AG, jetzt ChemPark durch. Mittlerweile haben sich auf dem Gelände auch externe Firmen sowie ausgegliederte Unternehmen der Bayer AG angesiedelt.

Die Werksbesichtigung mit dem Bus endete vorerst beim Gemeinschaftsklärwerk Bürrig (im folgenden GKW genannt), welches sämtliche Industrieabwässer des ChemPark sowie Abwässer des ortsansässigen Abwasserverbandes nachbehandelt, um sie anschließend gereinigt wieder der Umwelt zuzuführen. Nach einem ausführlichen Rundgang mit vielen technischen Erklärungen hörten wir einen Vortrag von Herrn Hirschberg. In seinem Vortrag ging es um die Planung, Umsetzung und Probleme bei der Migration der PLS einer großen Anlage im laufenden Betrieb. Dabei ging es um das Problem des Re-engineering veranschaulicht an verschiedenen Beispielen mit möglichen auftretenden Problemen.

Danach beleuchtete noch der Geschäftsführer des GKW Bürrig Herr Dr. Friebe die Aufgaben und die die Funktionsweise des GKW aus chemischer Sicht, und nannte zusätzlich ein paar informative Zahlen und Fakten, damit man sich einen Überblick der Leistungsfähigkeit des GKW machen konnte.

Anschließend besichtigten wir die im Zuge der Modernisierung des PLS ebenfalls vor 3 Jahren modernisierte Leitwarte des GKW. Dabei erhielten wir durch Herrn Hirschberg einen kleinen aber interessanten Einblick hinter den Aufbau einer PLT Oberfläche sowie über die Erstellung solcher PLT HMI?s mit Alarmen, Regelungen usw.

Danach fuhren wir zum Mittagessen in ein betriebseigenes Restaurant. Dort gab es neben dem vorzüglichen Buffet sehr viele Möglichkeiten mit den teilnehmenden Verantwortlichen tiefer ins Gespräch zu kommen. Leider war die Zeit der interessanten Gespräche viel zu schnell vorbei, und es ging weiter zurück auf das ChemPark Gelände (siehe Bild links Blick über das ChemPark Gelände vom BTS Gebäude aus dem 18.Stock) zum Firmensitz der Bayer Technologie Services (im folgenden BTS genannt).

Herr Dr. Hotop , Frau Puls-Rademacher aus der Personalabteilung und Frau Dr. Maul - zuständig für Betriebsleitsysteme - hielten anschließend interessante Vorträge. Zu Beginn ging es um die Vorstellung des Bayer Konzern mit allen Teilkonzernen und Dienstleistungssektoren. Die Vertreterin der Personalabteilung referierte anschließend über Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten speziell bei der BTS. Zu guter Letzt bekamen wir einen Einblick in die Anwendung der Betriebsleitsysteme.

Nach erfolgreicher Abschlussdiskussion mit den beteiligten Repräsentanten fuhren wir mit jeder Menge neuer Eindrücke über das Funktionieren eines solchen Großkonzernes zurück in die Jugendherberge. Ein Höhepunkt des Abends war die Museumsführung durch das Brauereimuseum der Dortmunder Actien Brauerei mit anschließender Verkostung.

3. Tag: Kostal Lüdenscheid

Der letzte Tag unserer Exkursion startete wieder sehr früh gegen 6:30 Uhr in der Jugendherberge zum Frühstück. Nachdem sich alle ausreichend gekräftigt hatten, konnte pünktlich die Busfahrt zu unserem letzten Besuchsobjekt starten. Das Ziel war diesmal die "Leopold Kostal GmbH & Co. KG" in Lüdenscheid.

Dieses Unternehmen beschäftigt sich im Kerngeschäft mit der Herstellung von Automobilelektrik wie z.B. Lenksäulenmodule. Weitere Geschäftsbereiche sind die "Industrie Elektrik", "Kontaktsysteme" sowie "Prüftechnik". Wir starteten unseren Besuch mit einer Unternehmenseinführung. Dabei wurden interessante Fakten, Unternehmensdetails und Strategien vorgetragen. Die Gruppe zeigte ein reges Interesse was sich auch durch die anschließenden Fragen an Herrn Nico Keirath zeigte. Anschließend wurde die Gruppe in zwei Teile aufgeteilt. Die erste Gruppe startete mit einem Unternehmensrundgang in den Produktionsstätten und die andere mit der Besichtigung der Produktausstellung.

In der Produktausstellung gab es ein breites Spektrum an Angeboten der Firma Kostal zu sehen. Dabei wurde nicht nur auf eine monotone Ausstellung Wert gelegt, sondern es gab für ein Produkt mehrere Ausführungslinien zu sehen (von unterschiedlicher Farbgebung bis unterschiedlichen Umschaltverhalten), es wurden Entwicklungsschritte aufgezeigt (von ersten Lenksäulen bis zu hochmodernen Lenksäulen für die Oberklasse) und "Eyecatcher" für Messeauftritte (eine Espressomaschine die sich in die Mittelkonsole eines 7er BMWs integrieren lässt) präsentiert. Begleitend erläuterte Herr Keirath den entsprechenden Ausstellungspunkt, während man sich ausgiebigen Tests der ausgestellten Produkte widmen konnte.

Im Anschluss an die erste Besichtigung gab es ein sehr schmackhaftes Buffet. Das Essen wurde von allen genutzt um die Unternehmensrepräsentanten bzw. die Professoren in neugierige Gespräche zu verwickeln. Nach Beendigung des Essens wechselten die Gruppen und es schloss sich für unsere Gruppe der Unternehmensrundgang an.

Geführt wurde der Rundgang vom zuständigen Lehrmeister für die Berufsausbildung und das duale Studium Fachrichtung Mechatronik. Wir starteten in der Fertigungshalle für Lenksäulenmodule der BMW Modelle. Dort konnten wir an den einzelnen Fertigungsstationen den Angestellten direkt über die Schulter schauen und sie bei den einzelnen Arbeitsschritten beobachten. Man hatte einen wunderbaren Einblick in die Entstehung eines solchen Moduls, von der leeren Hülle bis hin zum montagebereiten Modul. Im nächsten Abschnitt besuchten wir die Spritzgusshalle, in der Plastikteile mit hoch technisierten und -automatisierten Anlagen unter höchsten Qualitätsstandards hergestellt wurden. Im dritten Abschnitt besichtigten wir die Herstellung einer Getriebeüberwachungseinheit  für Automatikgetriebe von Mercedes. Auch dort wurde durch unseren Rundgangleiter auf viele Fertigungs- und Know-how-Kniffe eingegangen.

Im Abschluss unseres Besuches bei Kostal gab es noch den obligatorischen Einstiegs- und Karrierevortrag, in dem auf Einstiegsmöglichkeiten bei der Leopold Kostal GmbH aber auch auf allgemeine Empfehlungen für das finden des  zukünftigen Arbeitsplatzes eingegangen wurde.

Als Fazit kann man festhalten, dass uns dieser Tag einen sehr interessanten Einblick in den Produktionsalltag und die Produktionsvielfalt bot. Weiterhin gab es viele aufschlussreiche und informative Gespräche mit den Vertretern der Leopold Kostal GmbH. Wir sagen danke und können den Besuch bei Kostal mit ruhigem Gewissen weiter empfehlen.

Nach einem Gruppenfoto traten wir die lange Heimreise an. Um 23.00 Uhr war dann schließlich unsere Exkursion am Dresdner Hauptbahnhof beendet.

Nach drei Tagen interessanter Unternehmen und Themen, sowie um viele hilfreiche Informationen und Kontakte reicher, verfassten diesen Auszug der Pfingstexkursion der Automatisierungstechnik 2008

Thomas Schmidt und Matthias Berg
Dresden, den 22. Mai 2008

Stand: 15.01.2010 13:44
Autor: Webmaster IFA